Sky-Watcher Skyliner 350P SynScan

-Erfahrungsbericht-

Nach vielen Jahren der Astrofotografie und trotz zunehmender Erfolge, verspürte ich wieder große Lust auf visuelles Beobachten. Ich hatte in über 30 Jahren schon viele unterschiedliche Teleskope; vom 4" Maksutov bis zum 10" Schmidt-Cassegrain, vom 60 mm bis zum 150 mm Refraktor, oder vom 5" bis zum 12,5" Newton war schon alles dabei. Ziel war eigenlich ein 16"-Dobson, um auch wirklich ganz neue Eindrücke bei der Beobachtung zu haben. Auf Grund der Bequemlichkeit, landete ich schließlich bei einem 14" Skyliner 350P SynScan von Sky-Watcher mit voller GoTo-Funktionalität.

Abholung und erster Zusammenbau

Leider war der Skyliner vorerst nicht Lieferbar. So hieß es also noch 2 1/2 Monate warten, bis der Anruf vom Händler kam: "Das Teleskop ist auf einer Palette eingetroffen und abholbereit". Auf einer Palette? Da hatte ich schon bedenken, ob ich die 3 Kartons in meinen Kombi unterbringen kann. Tatsächlich musste ich den Karton für den Tubus beim Händler zurücklassen, der war einfach nicht mehr unterzubringen - obwohl ich einen großen Kombi fahre und die Rücksitze herunter geklappt waren. (Bild links). Im größten Karton mit knapp 60 kg Gewicht, war die Dobson-Montierung und das Zubehör verpackt. Im dritten und kleinsten Karton befindet sich der 355 mm-Spiegel. Zuhause angekommen, wurde der Tubus und der Spiegel in die Wohnung zum Zusammenbau verfrachtet. Mit Müh und Not zerrte ich den schwersten Karton mit der Dobson-Montierung zum Treppenhaus, hochtragen für eine Person war völlig unmöglich. So packte ich die Teile aus und trug sie Einzeln nach oben. Die mittlere Abbildung zeigt die ausgepackten Teile, wie die Grundplatte, die Seitenteile usw. Rechts sieht man das Zubehör und das Montagematerial wie Schrauben, Griffe und Werkzeug.

       

Das verpackte Teleskop im Kofferraum

 

Die Einzelteile vor der Montage

 

Zubehör, Befestigungsmaterial, Werkzeug

Zuerst habe ich die Rockerbox zusammen gebaut. Dazu sind lediglich die Verstärkungsplatten seitlich an die Seitenwände mit jeweils 3 Innensechskantsenkkopfschrauben zu verschrauben. Weiter müssen die Tragegriffe und der Halter für die Handsteuerung angeschraubt werden, sowie die Okularhalterung an die Vorderwand. Zu guter Letzt werden 12 Befestigungsschrauben mit Sterngriff in die Seitenwände mit einer Distanzhülse montiert. Jeweils ein Gummiring der über die Gewinde gedrückt wird, verhindert das herausfallen der Schrauben. Die fertig montierten Seitenwände zeigt die Abbildung links. An der Bodenplatte muss man zumindest beim 14"-Modell gar nichts machen - die ist fertig vormontiert. Bei den 14" und 16"-Skyliner sind die Rockerboxen wegen dem Gewicht und ihrer Größe so konstruiert, dass sie einfach zu demontieren sind. Dazu sind in der Grundplatte und zum Teil an den Seitenwänden Gewindehülsen fest eingearbeitet, in denen die Sterngriffschrauben mit den Seitenteilen greifen (Abb. rechts). So kann also bei ständigem Auf -und Abbau nichts verschleißen. Die Rockerboxen der 8-12"-Skyliner, werden dagegen dauerhaft verschraubt und sind nicht zur ständigen Demontage vorgesehen. Die schwarzen Abschlussleisten an den Seitenwänden und der Bodenplatte bestehen aus einem sehr dünnen Kunststoff, schon beim ersten Aufbau eckte ich irgendwo an und es entstand eine unschöne Kerbe. Hier hätte man besser einen dickeren Kunststoffüberzug verwenden sollen. Man muss also beim Transport sehr aufpassen, sonst wird die Rockerbox schnell unansehlich. Ich behelfe mir damit, dass ich die Einzelteile der Dobson-Montierung beim Transport in Decken einwickle.

       

Die Seitenwände fertig montiert

 

Die Rockerbox

 

Gewindehülsen in der Bodenplatte

Gleich beim Auspacken viel mir auf, dass die Antriebskästen an der Bodenplatte und der Seitenwand deutlich davon abweichen, als wie sie viele Händler noch auf ihren Webshops abgebildet haben. Dort sind die Antriebskästen noch viel kleiner und sind jetzt quasi identisch mit denen der Orion SkyQuest XX-Serie. Da wurde vermutlich von Sky-Watcher nachgebessert. Nachdem nun die Dobson-Montierung stand, ging es daran den Flex-Tubus auszupacken. Das in Papier und in Folie eingewickelte Teleskop ist soweit ebenfalls vormontiert, nur der Spiegel muss eingebaut werden. Sehr gut geschützt in Schaumstoff, Papier und Folie ist der 14"-Hauptspiegel in einem doppelten Karton verpackt (Abb. links). Nachdem er von seinem Verpackungsmaterial befreit war, lag der Spiegel mit seinem Befestigungsmaterial wie auf der Abb. Mitte, vor mir. Der Spiegel hat eine interessante, ungewöhnliche Form: Er ist an seiner Unterseite konisch geformt und an einer oberen kleinen Fläche mit dem Spiegelhalter verbunden. So kann der Spiegel vom Gewicht her leicht gehalten werden. Weiter sind an der konischen Form  - ich sage mal "Verstrebungen" mit ausgegossen worden. Die sollen dem Spiegel vermutlich eine bessere Stabilität gegen Durchbiegung verleihen. Um dem Spiegel mit seiner Halterung seinen endgültigen Platz zu geben, ist der untere Abschlußring am Tubus zu entnehmen. Dazu muss man 8 Schrauben lösen und den Ring vom Tubus abnehmen. Dieser wird dann auf die Spiegelhalterung gelegt und mit den Justierschrauben und Federn versehen (Abb. rechts). Leider ist in der Bedienungsanleitung dazu nichts beschrieben. Nachdem der Abschlußring mit dem Spiegel wieder am Tubus verschraubt ist, ist der Skyliner fertig zusammengebaut.

       

Der Hauptspiegel in seiner Verpackung

 

Der Haupspiegel mit den Justierschrauben

 

Die Spiegeleinheit - fertig montiert

Transport/Aufbau am Beobachtungsplatz

Den Tubus greift man am besten, wenn der Staubschutzdeckel am unteren Tubusteil abgenommen ist. Dann kann man mit einer Hand in den Tubus, und mit der anderen Hand unten in den Abschlussring fassen. Da aber der Staubschutzdeckel beim Transport geschlossen und beim eingefahren Tubus nicht zu entnehmen ist, findet man mit der linken Hand keine gute Position zum Anfassen. Hier würde ein Griff an der richtigen Position gute Dienste leisten, den ich wahrscheinlich noch anbringen werde. Ein 14-Zoll GoTo-Dobson in der Bauweise ist für mich persönlich die Grenze was ich transportieren kann und will. Das habe ich nach dem ersten Transport zum Beobachtungsplatz festgestellt. Es gab ja noch Überlegungen zu dem 16"-Skyliner, aber der Tubus würde einfach zu schwer und zu unhandlich für eine Person. Eigentlich plante ich einen 16"-Dobson in Leichtbauweise, jedoch gefiel mir das Konzept mit GoTo und Nachführung an einem Dobson-Teleskop so gut, dass ich auf die 2 Zoll mehr an Öffnung zugunsten dessen verzichtete. Der Teleskopierbare Tubus ist mit seinen etwas über 23 kg Gewicht noch recht gut zu Tragen und manövrierbar, auch die Bodenplatte mit ähnlichem Gewicht. Aber schwerer und größer dürte es nicht mehr sein - es war also die richtige Entscheidung.

Der Aufbau am Beobachtungsplatz geht mit ca. 15-20 Minuten Dauer recht schnell. Die 3 Seitenteile werden mit den 12 Sterngriffschrauben auf die Bodenplatte und mit sich selber verschraubt. Dann müssen noch die Motoren-Einheiten mit einem RJ-45-Kabel verbunden und die Handsteuerung angeschlossen werden. Vor dem aufsetzen des Tubus auf die Box, sollte der obere Tubusteil ausgefahren werden. So ist der Tubus besser zu greifen und gleichzeitig ausbalanciert wenn er in die Teleskopaufnahme gleitet. Abschließend ist jeweils auf beiden Seiten eine Sterngriffschraube einzudrehen die den Tubus in den Halterungen sichert. 

Zwar ist aus verschiedenen Quellen zu hören dass die Bodenplatte nicht zwingend waagerecht aufgestellt werden muss um gute Positionier-Ergebnisse zu erhalten. Ich wollte aber kein Risiko eingehen und stelle das Teleskop immer waagerecht auf. Dazu lege ich unter den Füßen je nach Bedarft mehr oder weniger viele Flachverbinderplatten aus Metall. 

Alignment

Die SynScan-Handsteuerung erlaubt eine Ein -oder Zwei-Stern-Ausrichtung oder auch nur den Autotracking-Modus, bei dem das Teleskop von Hand navigiert werden kann und die Motoren aber Nachführen. Bei der Zwei-Stern-Ausrichtung muss das Teleskop nach Norden gerichtet und der Tubus waagerecht ausgerichtet werden - also auf der angebrachten Skala auf Stellung "0". Nach Eingabe der Standortdaten usw., muss man den ersten Stern von Hand einstellen, der zweite Stern wird automatisch angefahren. Danach ist das Teleskop initialisiert und bereit. Die Motoren bzw. das Getriebe ist schon etwas laut, aber es hält sich im Rahmen. Im Nachführbetrieb ist von den Motoren nichts zu hören. Die Positioniergenauigkeit im GoTo-Betrieb ist doch recht genau und zufriedenstellend. Das ist auch davon abhängend, wie sorgfältig man die Daten eingegeben und das Alignment durchgeführt hat. Verwendet man bei dem Alignment ein Fadenkreuzokular, bekommt man deutlich bessere Ergebnisse. 

Der teleskopierbare Tubus

Hervorragend finde ich die Idee mit dem teleskopierbaren Tubus - das spart Platz und Gewicht. Durch Lösen von drei Schrauben kann der obere "Hut" nach oben herausgezogen werden. Das geht sehr leicht und präzise. Dabei gibt es zwei Einraststellen. Die erste Einrastfunktion bewirkt, dass der Tubus kürzer bleibt und dadurch Binokularansätze mit langem Lichtweg verwendet werden können. Der zweite und obere Einrastpunkt ist für die normale Beobachtung gedacht. Der Hersteller verspricht eine gute Justierstabilität. Das mag stimmen wenn der Tubus nicht bewegt wird, wird er allerdings transportiert, ist eine Nach-Justierung unbedingt erforderlich. Zumindest zeigte bis jetzt der Fangspiegel meistens auf die Hauptspiegelmitte, so dass nur der Hauptspiegel nachjustiert werden musste. Mit einem Justierlaser geht das aber sehr einfach und schnell. 

First light

Nachdem die Optik mit einem Justierlaser kollimiert war, hatte der Spiegel sein erstes Licht an Jupiter. Leider konnte die große Öffnung ihre Stärken an Jupiter bisher noch nicht ausspielen. Der Gasplanet stand derzeit nicht allzuhoch im Sternbild Jungfrau über dem Horizont. Das wird sich in den kommenden Jahren auch leider nicht ändern - ganz im Gegenteil sogar! Auch das Seeing spielte nicht mit. Dann gab ich 013 im Menü für "Messier" in die Handsteuerung ein. Nach dreimaligem Drücken von ENTER, setzte sich das Teleskop in Richtung M 13 in Bewegung. Die 208-fache Vergößerung mit dem 8 mm Hyperion-Okular noch eben von Jupiter lies ich im Auszug. Was für ein Anblick! Der große Kugelsternhaufen im Sternbild Herkules füllte weite Teile des 68° großen Gesichtsfeld, und es zeigten sich Einzelsterne bis in das Zentrum. Da in dieser Nacht das Zeitfenster ohne Mond nur sehr kurz war, wechselte ich gleich auf 2" mit einem 38 mm Okular und O-III Filter, um noch einige Nebel im Sternbild Schwan zu beobachten. Der östliche Cirrusnebel mit der "Hexenhand" war sehr deutlich zu sehen und zog sich durch das 70° Gesichtsfeld. Man konnte ihn sehr schön abfahren und studieren. Auch weitere Nebel in der Region waren Mühelos zu beobachten, wie z.B. der Sichelnebel, Cressentnebel oder Cafifornianebel. Auch der Nordamerikanebel erschien deutlich und struktuiert -  wegen der hohen Brennweite des Teleskops, natürlich immer nur einen Teil davon.

In der nächsten klaren Nacht nahm ich mir die vielen Nebel im Sternbild Schütze vor.  Ich steuerte bei 126-facher Vergrößerung und O-III Filter M 8 – den Lagunennebel an und mich haut´s fast aus den Socken! Fast das ganze 68° große Gesichtsfeld war ausgefüllt mit Nebelschwaden des Gasnebels. Ein klasse Anblick bot sich mir, so hatte ich ihn noch nie gesehen! Weiter ging’s ein Stück hoch zum Omega –Schwanennebel M 17. Einfach nur fantastisch! Wieder wimmelte es im Gesichtsfeld nur so von Nebelgebieten, darin stach die Schwanengestalt richtig ins Auge! Wieder etwas weiter nach Norden fuhr ich M 16 den Adlernebel an. Dieser war zwar nicht so überdeutlich zu sehen wie die zwei vorherigen, aber die Adlerform viel richtig gut auf.

Fotografie

Berichten zufolge sollen diese GoTo-Dobsons sehr gut dem Sternenlauf folgen. So montierte ich mal zum Test meine Canon EOS 1200D an das Teleskop und stellte M 27 ein. Ich steigerte die Belichtungszeit schrittweise auf 60 Sekunden und war über die Nachführgenauigkeit verblüfft! (Abb. links)! Die Sterne sind noch nahezu Rund und von der Bildfelddrehung ist noch nicht viel zu sehen. Macht man jetzt davon eine kleine Serie und Stackt diese (wobei diese Derotiert werden), kann man mit dem Instrument richtig gut und relativ ohne großen Aufwand Astrofotografie betreiben. 

Kein GoTo auf Koordinaten

Da ich viel Kometen beobachte, wäre mir die Möglichkeit Koordinaten direkt per GoTo anzufahren sehr wichtig gewesen. Leider lässt das die SynScan-Steuerung nicht zu. Dennoch gibt es eine - wenn auch umständliche Methode, Objekte nach Koordinaten aufzusuchen. Im Menü Utility unter "Position anzeigen", werden die Koordinaten in der Handsteuerung angezeigt auf der das Teleskop aktuell ausgerichtet ist. Dank der eingebauten Encoder, können nun die Achsklemmen gelöst und das Teleskop von Hand auf die gewünschte Position geschwenkt werden. Sicher ist das etwas umständlich und erfordert etwas Übung um die genauen Koordinaten zu treffen. Eine andere Möglichkeit gibt es aber nicht! Da die Encoder manuelle Schwenks jederzeit erlauben, kann der Tubus auch von Hand in die Nähe eines Objektes navigiert werden und den Rest der GoTo-Steuerung überlassen.

Fazit

Trotz einiger kleiner Kritikpunkte, gefällt mir der 14-Zoll Skyliner 350P SynScan sehr gut. Es ist schon etwas besonderes so eine große Öffnung mit Nachführung und GoTo ausgestattet zu haben. Natürlich interessiert es mich auch wie gut die Optik eigentlich ist, aber bis jetzt kann ich darüber nichts negatives berichten. Ein Sterntest bei guten Atmosphärischen Bedingungen wird darüber sicher etwas mehr Aussagen.

Optimierungen am Teleskop

Einbau von Spiegellüfter. Große Spiegel brauchen viel Zeit um sich an die Umgebungstemperatur anzugleichen. Erst dann können sie ihre volle Leistung ausspielen. Um das zu beschleunigen, habe ich drei Lüfter in die Spiegelzelle eingebaut (Abb. links). Die Spiegelhalterung ist so gefertigt, dass darauf perfekt drei Lüfter montiert werden können. Die Löchabstände mit je 7,1 cm passen für Lüfter mit der Größe von 80x80 mm. Die Ventilatoren sind saugend montiert, die Luft soll also vom Tubusinneren nach außen transportiert werden. Dazu habe ich eine Abdeckplatte aus einer 6 mm starken Sperrholzplatte hergestellt, so dass von unten möglichst wenig Luft angsaugt wird. Um die Spiegeljustierschrauben noch gut greifen zu können, musste ich entsprechend große Aussparungen aussägen. Um diese Öffnungen weitgehend zu schließen, habe ich eine dünne Kunststofffolie aus einer Verkaufsverpackung unter die Holzplatte eingeklebt die ich sehr genau zuschneiden konnte. (Abb. Mitte). So ist das ganze nun einigermaßen dicht und es sollte überwiegend nur Luft vom Tubusinneren angesaugt werden. Zum Schluss wurden noch zwei Cinchstecker für den Stromanschluß montiert. Die Abb. rechts zeigt die fertige Spiegellüftung. Ob es nun besser ist die Lüfter saugend vom Spiegel weg oder auf den Spiegel pustend zu montiern, darüber scheiden sich die Geister. Da der Spiegel an einem Dobson sehr weit unten ist, ist die Gefahr sehr groß dass durch herumlaufen des Beobachters um das Teleskop sehr viel aufgewirbelter Staub eingesaugt werden könnte. Daher ist die Lösung hier mit saugenden Lüftern besser. 

   

   

Hauptspiegellüfter

 

Abdeckung mit einer Kunststofffolie

 

Die fertige Spiegellüftung