Das Celestron NexStar 4SE

Auf der Suche nach einer motorischen azimutalen Montierung die möglichst auch GoTo bietet, bin ich letztendlich bei der Celestron NexStar SE-Reihe gelandet. Zudem sollte auch eine parallaktische Aufstellung möglich sein. Bei den kleinen NexStar SE Modellen ist im Stativ eine einfache Vorrichtung eingebaut, mit der die Montierungsbasis auf Polhöhe gebracht werden kann. Bei den größeren NexStar SE Montierungen für die 6 und 8 SE Teleskope, wird eine separat erhältliche Polhöhenwiege angeboten.

Als ich das Teleskop beim Händler abholte, war ich doch sehr überrascht wie groß der Versandkarton für so ein kleines Instrument doch war. Verständlich, denn alles war gut verpackt und besonders Montierung mit Teleskop dick eingepolstert. Nach öffnen des ersten Kartons, kam ein zweiter einzelner großer Karton zum Vorschein.

 

   

  

 

 

Nach dessen Öffnung erschien die eigentliche Umverpackung des NexStar mit der Abbildung des Instruments und einer kurzen Produktbeschreibung in mehren Sprachen, sowie die deutsche Bedienungsanleitung und dem gratis beigelegten Buch "Erste Schritte mit Ihrem Celestron-Teleskop".

 

   
   

 

Die Beschreibung auf dem Karton ist zum Teil fehlerhaft. Eingebaut ist natürlich ein Klappspiegel der bei dem Satz unterschlagen wurde, bzw. müsste es heißen "Eingebaute Umlenkvorrichtung..." Zudem ist in Deutschland definitiv kein Netzteil im Lieferumfang, und es sind natürlich nicht 4000 sondern 40.000 gespeicherte Himmelsobjekte.

Nach entfernen des bebilderten Kartons, kam schließlich der letzte große Karton in dem sich 3 kleine Kartons und eine Packhilfe befindet. Darauf liegt die Original-Anleitung in englisch und 3 CD´s mit der NexRemote-Software,  das Planetarium-Programm The Sky und die Bedienungsanleitung in englisch, französisch  und spanisch im PDF-Format.

 

   
  

 

 

Nach herausnehmen und öffnen der einzelnen Kartons, sah es dann wie im folgenden Bild aus. Dick mit Schaumstoff, war die Gabelmontierung mit dem Maksutov-Teleskop in einem separaten Karton verpackt.

 

   
   

 

Das Stativ ist in etwa gleich gefertigt wie man es von der Celestron-CGEM Montierung her kennt, nur eine Nummer kleiner. Es ist leicht und gut zu transportieren und passt von der Größe her gut zu der NexStar-Montierung. Die Spreizplatte mit Aussparungen für 1 1/4 und 2 Zoll Okulare ist aus Metall. Das Bild rechts, zeigt die einfache Vorrichtung mit der man die parallaktische Aufstellung bewerkstelligen kann.

 

   

 

 

 

 

Auf der Stativplatte befindet sich ein Zentrierstift, auf dem die Montierungsbasis aufgesetzt wird und dann mittig sitzt. Die Basis muss man dann auf die drei Feststellschrauben ausgerichtet werden, so dass die Gewindelöcher genau über den Schrauben stehen. Das geht ganz gut, jedoch hatte ich Mühe alle 3 Schrauben komplett einzudrehen. Etwas Öl half dann und alle Schrauben waren bis zum Anschlag festgeschraubt. Nach lösen einer Klemme, kann die Montierung über eine verstellbare Stange einfach in den parallaktischen Modus gebracht werden. Ich konnte keine großen Unterschiede von der Stabilität her zwischen azimutaler und parallaktischer Aufstellung erkennen. Auf der Stange ist eine Breitengradskala von 25-85° in 5°-Schritten eingraviert. Das NexStar kann auch einfach auf einen Tisch gestellt und so betrieben werden (Bild rechts).

 

      
  

 

 

 

 

Die Abbildung links zeigt die 102 mm Maksutov-Optik mit 1325 mm Brennweite. Schade: Auf der Objektivfassung sind leider keine Daten zur Optik eingraviert, auch am Tubus sind keine Angaben dazu zu finden. Auf dem rechten Bild ist das Okularseitige Ende des Tubus zu sehen. Rechts unten ist der Fokussierknopf, daneben der Kamera-Anschluss mit M 35-Gewinde, und links davon der Verstellknopf für den eingebauten Klappspiegel. Darüber ist die Okularhülse für 1 1/4 Zoll Okulare. Im Hintergrund ist der Leuchtpunktsucher zu sehen, der vollkommen ausreichen sollte zum Auffinden der Eichsterne.

 

   

 

 

 

 

Der eingebaute Klappspiegel hat natürlich einen Riesenvorteil, man kann gleichzeitig fotografieren und je nach belieben auf das Okular umschalten. Sicherlich interessant bei der Beobachtung von Sonnen -und Mondfinsternissen, Venus -und Merkurtransiten und Planetenbeobachtung. Auf diese Weise spart man sich eine zweite Optik, die die Montierung eh überlasten würde. Weiter ist das Maksutov an einer kleinen Prismenschiene im Vixen GP-Level befestigt, so dass die Optik auf einfache Art gewechselt werden kann.

Wie schon erwähnt, hat der Kamera-Anschluss ein M 35-Gewinde und nicht T2. Das heißt, dass man sich einen Adapter von M 35 auf T2-Gewinde besorgen muss. Celestron bietet einen Kamera-Adapter speziell für dieses Instrument an, aber auch im Handel werden passende Adapter angeboten.

Das Stativ ist komplett aus Metall, ebenso der Gabelarm der zum Teil mit Kunststoff ummantelt ist. Ebenso aus Metall ist die  untere Montierungsbasis, sowie der hintere und vordere Abschlussring des Teleskops.  Die Klappspiegeleinheit ist unter eine Kunststoff-Abdeckung.

Die Montierung ist mit Servo-Motoren ausgestattet - ich war wirklich überrascht, wie leise die Motoren sind! Es scheint so, dass die Zeit der laut kreischenden Motoren an kleinen Montierungen vorbei ist.

 

Erste Testbeobachtung an der Sonne zeigte bei einem langbrennweitigem 25 mm-Okular bei 53-facher Vergrößerung ein großes Sonnenbild. Dann montierte ich die Canon EOS 1200D an den Kameraanschluss und machte eine Testbelichtung an der Sonne.  Es zeigte sich, dass die Sonne bei 1325 mm Brennweite noch schön formatfüllend auf den APS-Sensor der EOS passte.

 

Um die Astro-fotografie etwas zu testen, habe ich die NexStar-Montierung parallaktisch aufgestellt und mit meinem 80/400 mm-Refraktor bestückt. Ohne direkte Sicht auf den Polarstern, richtete ich die Montierung grob nach Norden aus und stellte die Polhöhe auf 48°. Natürlich zeigten sich innerhalb von einer Belichtungszeit von 30 Sekunden schon deutliche Sternstrichspuren.

Danach führte ich das Polar-Align durch - ein Software-Unterstütztes Verfahren, um die Montierung ziemlich genau einnorden zu können wenn der Blick auf den Polarstern versperrt ist. Dazu sind dann im weiteren Verlauf Veränderungen im Azimut und an der Polhöhe vorzunehmen. Die Polhöhe zu korrigieren klappte recht gut. Eine Möglichkeit der Verstellung im Azimut ist bei dem Instrument verständlicherweise nicht vorhanden. Man muss sich damit helfen, das Stativ etwas zu bewegen - das bei dem leichten Instrument kein Problem ist. Das Stativ ist dann zwar nicht mehr genau im Wasser, aber ich denke das kann man vernachlässigen. Jedenfalls waren nach dieser Prozedur Belichtungszeiten von 30 Sekunden bei einer Brennweite von 400 mm möglich. Ich habe das alles nicht sehr genau durchgeführt, und hatte auch nicht den optimalen Stern zur Ausrichtung gewählt - der etwa halbhoch im Süden stehen sollte.

In der Montierungsbasis ist ein Batteriefach das mit 8 Mignon-Batterien bestückt werden kann. Natürlich ist auch ein 12 Volt-Anschluss vorhanden, sowie eine RJ 11 Eingangsbuchse in der Zubehör wie z.B. ein GPS-Empfänger angeschlossen werden kann. Weiter ist ein zweiter RJ 11 Eingang mit einem Kamerasymbol vorhanden, dort kann eine Digital-Kamera angeschlossen werden die dann über die Handsteuerbox ansteuerbar ist. Ein Autoguide-Eingang gibt es bei den NexStar 4 und 5-Modellen nicht (nur bei 6 und 8 SE). An der Handsteuerbox ist aber eine RS 232 Eingangsbuchse, mit dieser die Montierung mit einem PC/Laptop verbunden werden kann. Hier sollte das NextStar mit einem auf dem PC laufenden Guiding-Programm bei der Fotografie nachgeführt werden können.

Die Handsteuerbox ist sehr praktisch im Gabelarm untergebracht und kann herausgenommen werden oder auch während des Betriebs dort verbleiben. Das rot hintergrundbeleuchtete Display kann sowohl bei Nacht als auch bei Tag hervorragend abgelesen werden. Allerdings habe ich Probleme selbst bei höchster Einstellung die Beschriftung der beleuchteten Tasten bei Nacht abzulesen. Hier könnte die Hintergrundbeleuchtung etwas heller sein. Bei meiner CGEM-Handsteuerbox ist die Beschriftung gut abzulesen, da sie Fett aufgedruckt ist. Das ist bis jetzt auch der einzige Kritikpunkt an einem sehr durchdachten Instrument.

 

   
Die schön untergebrachte Handsteuerbox  

Canon EOS 1200D am 4 Zoll Maksutov

 

Wie bei meiner CGEM-Montierung gewöhnt, hat das NexStar ebenfalls alle Software-Funktionen wie z.B. Präzises GoTo, Getriebespielausgleich, verschiedene Alignment-Verfahren, Steuerung über einen PC usw. inne. Die Positioniergenauigkeit mit GoTo ist sehr gut. Die Motoren stoppen nicht abrupt, sondern werden langsamer kurz vor erreichen des gewünschten Ziels - die Objekte werden also "geschmeidig" angefahren. Bei kleinen Go-To Montierungen nicht unbedingt die Regel.

Erwähnenswert ist - wie von Baader-Planetarium gewohnt, die sehr ausführlich ins Deutsche übersetzte Bedienungsanleitung!

Das NexStar soll mir in erster Linie als leichtes und gut transportables Instrument mit kleiner Optik und auch mal für ein "schnelles Astrofoto" ohne großen Aufwand dienen. Das waren mal meine ersten Eindrücke, wenn die Montierung den ersten "richtigen" Einsatz hinter sich hat, werde ich an dieser Stelle weiter berichten.

So, die NexStar hatte nun den ersten Einsatz an einem Kometen. An einem klaren Morgen wollte ich einen Kometen aufnehmen. Ich führte zuerst ganz normal das EQ-Nord Alignment durch. Dann das Polar-Alignment sauber an einem geeigneten Stern, und schließlich nochmals das EQ-Nord Alignment damit das Go To wieder korrekt läuft.

Nach den ersten Belichtungen von 30 Sekunden bestätigte sich was sich schon bei meinen ersten Tests angedeutet hatte. Die Sterne waren nahezu Rund. (siehe Bild rechts - für große Darstellung anklicken). Bei einer Serie von 12 Aufnahmen waren die meisten Bilder gut, bei einigen waren die Sterne leicht oval oder leicht in die Länge verzogen. Das ist doch schon mal ein gutes Ergebnis und vielleicht kann man das auf 40 Sekunden steigern. Die Optik war wieder der 80/400 mm Refraktor.

Ich hoffe, dass ich mit diesem kleinen Erfahrungsbericht einem eventuellen Kaufinteressenten einige offene Fragen beantwortet habe und die Kaufentscheidung damit leichter fällt.