Baader 2" MPCC Mark III Koma Korrektor 

Wie jedes optische System hat auch ein Newton-Spiegelteleskop Abbildungsfehler. Besonders deutlich ist das sogenannte Koma, das sich an den Bildfeldrändern durch eine unsaubere Sternabbildung bemerkbar macht. Sterne erscheinen auf den ersten Blick verzerrt, bzw. in die Länge gezogen und bei genauerer Betrachtung zeigt jeder Stern einen kleinen Lichtschweif. Koma entsteht dadurch, weil das Licht bei einem Parabolspiegel an den Seiten schräg einfällt und nicht in einem Punkt vereinigt werden kann sondern über einer Fläche. Auf der optischen Achse (Bildfeldmitte) ist die Abbildung absolut fehlerfrei, die aber nur wenige Bogenminuten groß ist.

Die Abbildung unten links zeigt eine grafische Darstellung eines komabehafteten Stern am Bildrand (rechts im Bild) und einen Stern mit Beugungsringe auf der optischen Achse (links im Bild), so wie es bei einem perfekt gefertigtem Spiegel ohne Einfluss atmosphärischen Störungen es sich darstellen würde. Auf der mittleren und rechten Abbildung ist das auf einer langbelichteten  Aufnahme unter realen Bedingungen zu sehen; Mitte: Sterne auf der optischen Achse, rechts: Sterne am Bildfeldrand (stark vergrößert).

 

      

Grafische Darstellung, Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7058436

 

Sterne auf der optischen Achse

 

Sterne am Bildfeldrand

 

Visuell am Okular und auf normalen Fotos im 11er-Format dürfte das Koma eigentlich niemand stören, bzw. tritt es kaum in Erscheinung. Man beobachtet ja Objekte in der Regel in der Gesichtsfeldmitte und die Fotos sind zu klein als dass der Abbildungsfehler in Erscheinung tritt - man müsste schon mit der Lupe rangehen. Anders sieht es natürlich aus wenn man sich die Aufnahmen am Monitor formatfüllend betrachtet oder sich Vergrößerungen anfertigen lässt. Dann ist der Bildfehler schon deutlich sichtbar. Manch einer wird vielleicht Argumentieren: "Hauptsache das Objekt in der Bildmitte ist sauber abgebildet", aber ein gleichmäßig schöner Sternenhintergrund trägt auch zur Ästhetik des Bildes bei. Man denke auch an große und ausgedehnte Objekte, wie z.B. der Andromeda-Nebel oder große Kometen. Ragen dann Bereiche des Objektes in die fehlerhafte Abbildung, leidet natürlich die Schärfe und Details gehen verloren.

Es gibt aber Abhilfe: Viele Hersteller bieten bestimmte optisches Zubehör an, sogenannte Koma Korrektoren die aus mehrere Linsen bestehen und das Koma vollständig eliminieren. Man könnte sagen, eine Brille für das fehlsichtige Teleskop! Diese Korrektoren werden einfach in den Okularauszug gesteckt und können auch dort verbleiben. Mit den richtigen Adaptern, kann man seinen gewohnten 1 1/4 oder 2 Zoll-Anschluss wieder herstellen. Allerdings können Koma Korrektoren die Brennweite des Teleskops verändern - was zum Teil vielleicht sogar erwünscht ist, oder man kommt visuell und/oder fotografisch nicht mehr in den Fokus. Weitere Adapter müssen zwischengeschaltet werden, oder im schlimmsten Fall musste  schon manch  ein Sternfreund ein Stück seines Tubusses durch absägen kürzen um dadurch wieder den Fokus erreichen zu können.

Aus diesem Grund habe ich mich für den Baader MPCC Mark III Koma Korrektor entschieden, der seit November 2015 als verbesserte und überarbeitete Version angeboten wird. Der Mark III verändert die Brennweite des Teleskops nicht und auch die Fokusposition bleibt gleich. Weiter hat der Koma Korrektor neu gerechnete größere Linsen für vignettierungsfreie Aufnahmen auch mit großen Sensoren und eine bessere Schärfeleistung über das gesamte Feld. Bei Verwendung des M48 Gewindes bietet der Korrektor 44 mm freie Öffnung und ist einsetzbar für Newton Teleskope von f/3,5 bis f/6.

Das Bild unten links zeigt den Koma Korrektor im Lieferumfang mit den Staubschutzkappen, sowie den optionalen T2-Ring für die jeweilige Kamera. Rechts der montierte Korrektor an der EOS 1200D - bis auf die Linsen gleicht der Aufbau quasi wie mit einem herkömmlichen T2-Fokaladapter, der so in den 2"-Auszug gesteckt wird.

 

   

Lieferumfang Mark III mit optionalen T2-Ring (links)

 

Der Korrektor an der EOS 1200D

 

Auf dem folgenden Bild links ist der Koma Korrektor im 2 Zoll Okularauszug zu sehen, in dem er fast versenkt wird. Auf das T2-Gewinde kann nun ein Reduzierstück in 1 1/4 Zoll für die Okularaufnahme geschraubt werden - nach Wunsch auch in 2 Zoll (Abbildung Mitte). Rechts ist nun der gesamte Aufbau mit einem Okular zu sehen.

 

      

Koma Korrektor im Auszug

 

mit angebrachter 1 1/4 Zoll Okularaufnahme

 

und der gesamte Aufbau mit Okular

 

Bei der ersten fotografischen Verwendung des Koma Korrektors mit der Atik 414 EX CCD-Kamera, viel mir sofort die sehr feine Sternabbildung auf, wie auf der Aufnahme rechts zu erkennen ist. Das Bild ist eine Einzelaufnahme von 3min Belichtungszeit und zeigt das volle Bildfeld des Atik-Sensors von etwa 40x28 Bogenminuten. Wie versprochen, gab es auch keinerlei Probleme bei der Fokussierung.

Nachdem ich mein Vorhaben mit einer weiteren Kometenaufnahme beendet hatte, montierte ich die EOS 1200D an den Auszug um nur mal zu sehen wie sich der Korrektor im APS-Format macht. Auch hier gab es keinerlei Probleme in den Fokus zu kommen. Testobjekt war der Hantelnebel M 27, und das erste Bild mit 60 Sek. Belichtungszeit wurde in den Rechner geladen. Das Ergebnis war frappant; bis in die Bildecken war eine absolute saubere Sternabbildung mit schönen Runden und feinen Sternen (Abbildung unten links). Zum Vergleich rechts daneben eine Aufnahme ohne Koma Korrektor. Man bemerkt, dass die Sterne ab einem bestimmten Bereich nach außen langsam eiförmig werden, und an den Rändern schließlich kleine Schwänzchen bekommen. Mit Klick auf das Bild, gelangt man zur einer größeren Darstellung.

 

   

mit Koma Korrektor

 

ohne Koma Korrektor

 

Und um es noch ganz deutlich zu machen, hier zwei stark herausvergrößerte Bildecken. Links mit Koma Korrektor, rechts ohne. Der Unterschied ist gravierend!

 

   

Bildecke mit Korrektor

 

Bildecke ohne Korrektor

 

Meine Canon EOS 1200D schließe ich direkt über das T2-Gewinde an. Hat man größere Sensoren jenseits des APS-Formates, sollte man über das M48-Gewinde gehen um den maximalen Durchlass zu haben. Baader-Planetarium bietet dafür einen Protective Canon EOS DSLR T-Ring an, der Anschlüsse für T2, M48x0,75 und 2"
bietet. Zusätzlich kann der Protective-Ring 2"-Filter und ungefasste 50,4 mm Filter aufnehmen. Ein weiterer Pluspunkt für den MPCC Mark III. Natürlich kann der Korrektor fernrohrseitig direkt auch gefasste 2"-Filter aufnehmen.